Systemübersicht

Das Erdwärmesystem: Heizen und Kühlen aus dem eigenen Boden

Eine Erdsonde holt die konstante Temperatur des Erdreichs ins Haus: Im Winter heizt sie über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, im Sommer kühlt sie passiv. Diese Seite vergleicht das System mit der häufigsten Alternative (der Luft-Wasser-Wärmepumpe) und zeigt, wo Erdwärme passt und wo nicht.

Erdwärmesonde beim Einbau
Der Vergleich

Erdwärme oder Luft-Wärmepumpe?

Für die Investition zählt das Gesamtsystem: Wärmepumpe, Wärmequelle und Installation. Über die Nutzungsdauer beeinflussen sowohl die Effizienz als auch die Lebensdauer der Komponenten die Wirtschaftlichkeit.

Jahresarbeitszahlen: Feldmessungen der Fachhochschule OST. Vollkosten: Vergleich über 25 Jahre inklusive Anschaffung, Betrieb und Unterhalt.
Kriterium Erdwärme (Sole-Wasser) Luft-Wasser-Wärmepumpe
Jahresarbeitszahl (JAZ) 4,6 (48 % höher) 3,1
Vollkosten über 25 Jahre 7,6 % günstiger Referenzwert
Anschaffung Gesamtsystem einschliesslich Erschliessung des Erdreichs Gesamtsystem einschliesslich Ausseneinheit und Installation
Wärmequelle Erdreich, ganzjährig nahezu konstant temperiert Aussenluft (am kältesten, wenn der Wärmebedarf am grössten ist)
Passives Kühlen im Sommer ja, ohne Kompressor nein (Kühlen nur aktiv, mit vollem Stromverbrauch)
Ausseneinheit keine (kein Ventilator, kein Geräusch im Garten) Ventilatoreinheit im Freien
Bewilligung örtliche Vorgaben für Bohrung und Einbau prüfen örtliche Vorgaben für Aufstellung und Schall prüfen
Lebensdauer und WirtschaftlichkeitErdsonde: mindestens 50 Jahre. Sole-Wasser-Wärmepumpe: ca. 23 Jahre. Die langlebige Erdsonde bleibt als Wärmequelle auch bei einem späteren Wärmepumpentausch nutzbar.Luft-Wasser-Wärmepumpe: ca. 16 Jahre. Geräteersatz und Wartung sind im langfristigen Kostenvergleich zu berücksichtigen.

Die Kosten einer Erdwärmeanlage ergeben sich nicht einfach aus den Kosten einer Luft-Wärmepumpenanlage plus Bohrung. Je nach System können sich die Gerätekosten unterscheiden und Arbeiten für eine Ausseneinheit, deren Fundament oder ein Kältemittel-Splitgerät entfallen. Massgeblich ist ein Vergleich der vollständigen Angebote.

Die Bauart

Erdsonde, Ringgrabenkollektor oder Erdwärmekorb?

Wer sich für Erdwärme entschieden hat, wählt als Nächstes die Bauart der Wärmequelle. Die Kriterien, die diese Wahl tatsächlich entscheiden:

Kriterium Erdsonde Ringgrabenkollektor Erdwärmekorb
Platzbedarf kleine Bohrfläche, kaum Grundstücksverbrauch grosse Fläche, muss frei bleiben mittlere Fläche, mehrere Körbe nötig
Wärmequelle konstante Temperatur ganzjährig oberflächennah, jahreszeitlich schwankend oberflächennah, jahreszeitlich schwankend
Effizienz am höchsten und über das Jahr stabil schwankt mit der Aussentemperatur schwankt mit der Aussentemperatur
Eingriff Bohrung, örtliche Vorgaben prüfen Aushub über die ganze Fläche mehrere Gruben
Nachträglich möglich ja, auch bei bestehendem Garten nur bei freier, unbebauter Fläche eingeschränkt

Die Erdsonde holt ihre Wärme aus einer Tiefe, in der die Erdreichtemperatur das ganze Jahr konstant bleibt. Deshalb hält sie ihre Effizienz genau in den kältesten Wochen, in denen ein oberflächennaher Kollektor am schwächsten ist. Und sie ist die einzige der drei Bauarten, die auch auf einem Grundstück funktioniert, das bereits bebaut, bepflanzt oder versiegelt ist.

Einsatzbereich

Wo Erdwärme passt und wo nicht

Erdwärme passt, wenn …

  • Sie eine bestehende Heizung ersetzen und langfristig rechnen, auch im Altbau mit Heizkörpern.
  • das Grundstück eine Zufahrt für ein kompaktes Bohrgerät zulässt. Dank 108-mm-Bohrloch statt 132 mm genügt wenig Platz.
  • Sie im Sommer kühlen möchten, ohne eine Klimaanlage zu betreiben.
  • die örtlichen Voraussetzungen für eine Erdsondenanlage erfüllt sind.

Erdwärme passt nicht, wenn …

  • Erdsondenbohrungen am konkreten Standort nicht zulässig oder technisch nicht möglich sind. Das klärt der Bohrpartner vor der Offerte.
  • keinerlei Zugang für ein Bohrgerät besteht, auch nicht für ein kompaktes.
  • nur das Anschaffungsbudget zählt: In der reinen Erstinvestition bleibt die Luft-Wasser-Wärmepumpe günstiger.
Passives Kühlen

Passives Kühlen funktioniert ausschliesslich mit Erdwärme- oder Grundwasser-Wärmepumpen.

Eine Luft-Wärmepumpe kann diesen Betrieb nicht bieten. Ihr fehlt die kühle Quelle im Sommer.

Der Mechanismus ist einfach: Im Sommer ist das Erdreich deutlich kühler als die Raumluft. Die Sole zirkuliert durch die Erdsonde und nimmt die Raumwärme über die Fussboden- oder Wandheizung auf. Der Kompressor der Wärmepumpe bleibt dabei ausgeschaltet. Es läuft nur die Umwälzpumpe.

Auch ohne Fussboden- oder Wandheizung kann Kühlung möglich sein: Geeignete Gebläsekonvektoren, auch Fan-Coils genannt, übertragen die Kühle in den Raum. Bei hohem Kühlbedarf kommt aktive Kühlung mit laufendem Kompressor infrage. Welche Lösung passt, wird für das Gebäude ausgelegt.

Das Haus wird spürbar temperiert, die überschüssige Wärme fliesst ins Erdreich zurück und regeneriert die Sonde für den nächsten Winter. Kühlung als Nebenprodukt der Heizung, ohne Klimagerät, ohne Ausseneinheit.

Wandmontiertes Bediengerät mit digitaler Anzeige

Voraussetzungen

  • Erdsonde oder Grundwasserfassung als Wärmequelle
  • Geeignete Kühlflächen oder Gebläsekonvektoren (Fan Coils). Auch bei bestehenden Heizkörpern muss die Eignung im Einzelfall geprüft werden; Kühlleistung und Tauwasserschutz sind Teil der Planung.
  • eine Wärmepumpe mit Passivkühl-Modul

Grundlage der Regenerationsangabe: Auslegung von Erdwärmesondenanlagen nach SIA 384/6.

Wie die Sonde selbst aufgebaut ist, zeigt die Splitpipe-Produktseite.

Wilfried und Elisabeth Pernter in ihrem Heizraum

«Manche sagten, eine Luftwärmepumpe wäre für uns das Günstigste. separatus konnte aber ein überzeugendes Konzept mit Erdwärme vorlegen, unterm Strich sogar günstiger. Wir sind äusserst zufrieden und würden es wieder so machen.»

Wilfried und Elisabeth Pernter, Besitzer einer separatus Erdwärmelösung seit 2023
Der Unterschied

Was das separatus-System anders macht

Konventionelle Doppel-U-Sonden brauchen ein Bohrloch von 132 mm. Die Splitpipe führt Vor- und Rücklauf in einem einzigen 51-mm-Zweikammer-Rohr. Das Bohrloch schrumpft auf 108 mm, das Bohrgerät gleich mit. Bei 100 mm Bohrloch ist die Effizienz gleichwertig mit einer Doppel-U-Sonde im 132-mm-Bohrloch.

Weniger Loch heisst auch weniger Material und weniger Emissionen auf der Baustelle:

Grössenvergleich der Bohrdurchmesser: schmales Splitpipe-Bohrloch neben konventionellem Bohrloch für eine Doppel-U-Sonde

Bohrgut

−43 %

100 mm statt 132 mm Bohrloch

Hinterfüllmaterial

−45 %

100 mm statt 132 mm Bohrloch

Diesel

−50 %

100 mm statt 132 mm Bohrloch

Sole-Füllung

−35 %

51-mm-Sonde gegenüber Doppel-U 32, unabhängig vom Bohrdurchmesser

Häufige Fragen

Fragen zum Erdwärmesystem

Braucht eine Erdsondenbohrung eine Bewilligung?

Das hängt vom Standort ab. Die Anforderungen an Bewilligung, Anzeige und Nachweise unterscheiden sich nach Land, Bundesland und Kanton. Der Bohrpartner klärt die örtlichen Vorgaben vor der Offerte und begleitet die erforderlichen Schritte.

Funktioniert Erdwärme im Altbau mit Heizkörpern?

Ja. Die Wärmepumpe wird auf die vorhandenen Heizkörper und deren Vorlauftemperatur dimensioniert. Gerade beim Heizungsersatz im bestehenden Gebäude spielt die schmale Bohrung ihren Vorteil aus: Garten, Bäume und Terrasse bleiben stehen, das kompakte Bohrgerät kommt trotzdem hin. Für das Kühlen braucht es geeignete Kühlflächen oder Gebläsekonvektoren.

Wie viel Platz braucht die Bohrung?

Deutlich weniger als bei konventionellen Sonden: Für das 108-mm-Bohrloch der Splitpipe (statt 132 mm konventionell) genügt ein kompaktes Bohrgerät mit kleiner Stell- und Zufahrtsfläche. Ob Ihr Grundstück geeignet ist, beurteilt der Bohrpartner anhand von Zufahrt, Abständen zu Gebäude und Grenze sowie der Bewilligungslage.

Was passiert in einem sehr kalten Winter?

Wenig. Das ist der Kern des Systems. Das Erdreich in Sondentiefe bleibt ganzjährig nahezu konstant temperiert, unabhängig von der Aussenluft. Deshalb hält die Erdwärmepumpe ihre Effizienz genau dann, wenn eine Luft-Wärmepumpe wegen kalter Aussenluft am meisten Strom braucht.

Kann ich mit der Erdsonde auch kühlen?

Ja, passiv: Die Sole zirkuliert im Sommer durch die Sonde und führt Raumwärme ins Erdreich ab, der Kompressor bleibt aus. Details dazu stehen im Abschnitt passives Kühlen auf dieser Seite.

Nächster Schritt

Der Systemvergleich in Ihren eigenen Zahlen

Die Kostenseite schlüsselt Anschaffung, Bohrung und Betrieb auf, und der Kostenvergleichsrechner rechnet den 25-Jahre-Vergleich für Ihr Gebäude.

Was Erdwärme wirklich kostet